Der Ursprung der Ziegelhütte
Das Gasthaus Ziegelhütte ist auf dem Anwesen der gleichnamigen Ziegelhütte ansässig und liegt am äußersten südlichen Zipfel der Geislinger Markung unmittelbar am Kopf der Geislinger Steige. Der kleine Weiler an der Grenze zum Alb-Donau-Kreis beziehungsweise zur Gemeinde Amstetten wurde urkundlich erstmals um das Jahr 1500 erwähnt, die genaue Bauzeit ist jedoch unbekannt. Die bereits damals existierende Ziegelei, in welcher bis 1913 jahrhundertelang Branntkalk, Backsteine und Dachziegel hergestellt wurden, ist bis heute nicht nur Namensgeber des Anwesens sondern auch des angrenzenden Ziegelwaldes. Nur noch eine Dachplatte mit dem Zeichen L. H. (Leonhard Hauff) 1823 und dem württembergischen Hirschgeweih erinnert an die Blütezeit der Ziegelei.
Der landwirtschaftliche Hof
Mit dem Bau eines landwirtschaftlichen Gehöfts um 1700 schaffte sich der damalige Eigentümer ein zweites Standbein, welches stetig ausgebaut und an die jeweilige Zeit angepasst wurde. Während die Ziegelhütte im Besitz von Karl Bühler und danach im Besitz von seinem Sohn Wilhelm Bühler war, stand der landwirtschaftliche Betrieb im Vordergrund. Die bis dahin umfassend betriebene Landwirtschaft samt Ackerbau wurde 2019 jedoch eingestellt. Die noch immer freilaufenden Hühner samt Hahn sorgen allerdings weiterhin für reichlich Aufsehen bei Klein und Groß.
Historisch wichtige Lage
Durch die Lage der Ziegelhütte ist ihre Geschichte auch direkt mit der der Geislinger Steige verbunden. Beim Bau der Bahnstrecke über die Steige wurden hier Arbeiter in Barackenlagern untergebracht, auch eine Essensausgabe war für diese dort eingerichtet. Bis 1805 fuhren auf dem historischen Verkehrsweg Geislingen – Ulm 300 Jahre lang die Postwagen des Reichspostmeisters Fürst von Thurn und Taxis am Anwesen vorbei oder machten dort Rast. Zur damaligen Zeit wurden zudem die Pferde in den Ställen der Ziegelhütte als Vorspann auf der Geislinger Steige benötigt. Dies endete als der erste Dampfzug 1850 die Steige bezwang.
Historisch wichtig ist auch die bei der Ziegelhütte vermutete römische Straßentrasse, welche hier über die Albsteige in Richtung Filstal führte. 1846 wurden in der Nähe im Ziegelwald beispielsweise Grundmauern von alten Gebäuden gefunden.
Das Gasthaus
Die Gaststätte selbst liegt im Erdgeschoss des alten Bauernhauses und wurde um 1800 eröffnet. Zur Geschichte des Hauses gehört auch eine Brandstiftung im Jahre 1870, welche den Neuaufbau ab dem Obergeschoss zur Folge hatte. Auch der Anbau eines Saales um 1930, in welchem Tanzveranstaltungen und Hochzeiten stattfanden, ist ein wichtiger Schritt für die Gaststätte. Eine alte Spielorgel sorgte damals für gute Unterhaltung, was noch heute einige der älteren Gäste mit Freude berichten.
Bis Kriegsende hieß die Gaststätte übrigens „Gasthaus zur Geislinger Steig“. Dieser Name wurde in das heutige Logo wieder aufgenommen. Auch auf dem alten Foto ist dieser Name zu sehen, als die Ziegelhütte im Besitz von Wilhelm Bühler war, dem ersten Bühler auf der Ziegelhütte und Vater von Karl Bühler. Seither wird die kleine und gemütliche Vesperwirtschaft mit Biergarten durch die Familie Bühler betrieben. 2022 übernahm Simone Bühler von ihrem Vater Wilhelm. Mit Unterstützung der Familie führt sie nun in vierter Generation die Gaststätte als alleinstehenden Betrieb weiter. Derzeit wird der gesamte Altbau aufwändig umgebaut und saniert, was den Fortbestand der Gaststätte sichern und die Tradition des Anwesens fortschreiben soll.